Über den zweiten Bildungsweg ins Studium und von Wolfenbüttel bis nach Norwegen: Luis Arnecke (27) studiert Energie- und Gebäudetechnik an der Ostfalia in Wolfenbüttel und hat ein Semester in Norwegen verbracht. Im Interview spricht er über Wissensdurst, studentisches Engagement und Auslandssemester.
Mandy Fleer, Ostfalia-Redaktion: Luis, wie war dein Weg von der Schule bis zum Studium an der Ostfalia?
Luis: Nach meinem Realschulabschluss war ich zunächst bei der Bundeswehr und habe danach eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik gemacht. Währenddessen habe ich gemerkt, wie sehr mich Technik interessiert. Ich habe unglaublich viele Fragen gestellt – teilweise mehr, als meinen Gesellen lieb war. Ein Meister wäre naheliegend gewesen, aber ich hatte das Gefühl, dass mir das fachlich nicht reicht. Also habe ich mich mit den Voraussetzungen fürs Studium beschäftigt und die Fachhochschulreife nachgeholt.
War für dich direkt klar, welcher Studiengang es werden soll?
Luis: Ja. Energie- und Gebäudetechnik war für mich die logische Wahl, weil es direkt an meine Ausbildung anknüpft. Rückblickend war es genau die richtige Entscheidung. Auch wenn ich sagen muss: Elektrotechnik hat mich ebenfalls gereizt. Deshalb starte ich bald noch einen Master in diesem Bereich.
Hattest du Respekt vor dem Studium?
Luis: Ein bisschen vor Mathe. Deshalb habe ich am Vorkurs teilgenommen, was definitiv geholfen hat. Rückblickend habe ich heute fast mehr Respekt vor dieser Entscheidung als damals. In dem Moment habe ich es einfach gemacht.
Wie war dein Start an der Ostfalia?
Luis: Sehr positiv. Gerade die ersten Semester waren großartig. Man startet gemeinsam, bildet schnell eine feste Gruppe, geht zusammen lernen und feiern. Dieses Gemeinschaftsgefühl kannte ich so bisher nicht. Mit einem Kommilitonen war ich später sogar im Auslandssemester in Trondheim in Norwegen.
Was war dein Highlight im Auslandssemester?
Luis: Eigentlich der gesamte Aufenthalt. Die Natur war beeindruckend: Wandern in den Bergen, Angeln am Fjord, Schnee im Oktober, eine Reise auf die Lofoten bis Richtung Polarkreis. Wir haben sogar Rentiere und Elche gesehen. Aber noch wertvoller war es, das Land wirklich kennenzulernen. Vier Monate sind etwas anderes als Urlaub. Man erlebt den Alltag und bekommt ein realistisches Bild vom Leben dort.
Was hat dich am Studium überrascht?
Luis: Wie nahbar die Professoren*innen sind. Man begegnet sich immer auf Augenhöhe. Das schafft eine sehr angenehme Atmosphäre und senkt die Hemmschwelle, Fragen zu stellen. Durch meine Ausbildung kannte ich viele Studieninhalte schon aus der Praxis. Gerade deshalb fand ich es spannend, im Studium auch die technischen Hintergründe zu verstehen.
Was hast du neben dem Studium in deiner Freizeit gemacht?
Luis: Ich habe mich viel im Hochschulgeschehen engagiert. Ich war im Fachschaftsrat und später im AStA aktiv, habe Veranstaltungen, Stammtische und Partys mitorganisiert. Außerdem habe ich drei Semester lang ein Tutorium geleitet. Diese studentische Arbeit hat mir fast genauso viel gegeben wie das Studium selbst. Man lernt Menschen aus anderen Studiengängen kennen, übernimmt Verantwortung und wächst persönlich enorm. Ich würde sagen: Wer sich engagiert, nimmt aus dem Studium nochmal eine ganz andere Erfahrung mit.
Welche Tipps gibst du Studieninteressierten?
Luis: Nehmt die Vorkurse mit, sucht euch früh Lerngruppen und bleibt offen. Nutzt das Studierendenleben, diese Zeit kommt nicht wieder. Ein Auslandssemester kann ich ebenfalls nur empfehlen. Und besonders wichtig: Lasst euch nicht abschrecken, wenn ihr nicht aus einer akademischen Familie kommt. Interesse und Einsatz zählen mehr als der Hintergrund. Mit Motivation und Fleiß ist mehr möglich, als man denkt.